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Konservative Therapieformen? Was ist davon zu erwarten? Was kann man von dem neu zugelassenen monoklonalen Antikörper Eculizumab erhoffen?
Knochenmarktransplantation (KMT) – Wie sind die Heilungschancen? Was ist während der Therapie zu erwarten?
Nach welchen Kriterien sollte zwischen konservative Therapien und KMT entschieden werden?
Da es sich bei PNH um eine seltene Erkrankung handelt, sind noch viele Fragen zur optimalen Behandlungsform offen. Grundsätzlich gibt es zwei unterschiedliche Behandlungsansätze, Knochenmarktransplantation oder sog. konservative Behandlungen, einschließlich einer IST. Die Entscheidung, welcher der beiden Möglichkeiten der Vorzug gegeben wird, sollte v.a. zwischen Arzt und Patient diskutiert werden. Von weiterem Nutzen bei der Auswahl einer adäquaten Behandlungsart könnte die Broschüre PNH - Grundlegende Erläuterungen von AA&MDS sein.
Konservative Behandlungsformen
Vornweg - gegenwärtig gibt es abgesehen von der Knochenmarktransplantation keine geeigneten Mittel zur Heilung von PNH .
Die supportive Behandlung von Patienten mit Hämolyse hängt davon ab, ob es allgemeine Anzeichen einer allgemeinen Knochenmarksschwäche gibt oder nicht.
Bei Patienten mit einer ausgeprägten, schubartigen Hämolyse wird von vielen Hämatologen die Anwendung steroider Hormone wie Prednisolon (Kortison) vertreten. Obwohl es keinen wissenschaftlichen Nachweis der Wirksamkeit dieses Ansatzes gibt, wird vermutet, dass Steroide der Zerstörung roter Blutkörperchen entgegenwirken. Eine chronischen Anwendung von Steroiden wird kontrovers diskutiert, da damit toxische Nebenwirkungen verbunden sind. Wurde eine Entscheidung für eine chronische Behandlung mit Steroiden getroffen, sollte daher die Dosierung auf niedrigstem Niveau erfolgen.
Neuerdings ist in den USA (16.03.2007) und Europa (22.0.2007) als Therapie für PNH der Monoklonale Antikörper Eculizumab anerkannt und zugelassen. Mit einer Markteinführung in Europa kann im Verlaufe von 2007 bis 2008 gerechnet werden. Im Rahmen von Studien (TRIUMPH und SHEPHERD) wurde in den letzten Jahren die Effizienz und Sicherheit des Medikaments nachgewiesen, das von Alexion unter dem Namen Soliris vertrieben wird. Durch eine deutliche Reduzierung der Hämolyse bewirkt es u.a. bei Transfusionsbedürftigen größtenteils den vollständigen Verzicht auf Transfusionen.
Monoklonaler Antikörper (Eculizumab, Soliris)
Der Monoklonare Antikörper, Eculizumab, des Medikamentes Soliris blockiert einen Teil des Immunsystems, das sog. Komplementsystem. Dadurch wirkt Soliris der Zerstörung Roter Blutkörperchen (Hämolyse) entgegen und trägt zur Erleichterung vieler PNH-bedingter Symptome bei.
Klinische Studien belegen, dass Patienten durch Eculizumab eine nachweisbare deutliche Verminderung der Hämolyse erfahren. Mit der Abnahme der Anämie verbunden sind häufig ein völliger Verzicht auf Transfusionen, eine geringere Müdigkeit (Fatigue), eine geringere Thromboseanfälligkeit sowie generell eine verbesserte Lebensqualität.
Soliris wird in regelmäßigen Abständen (zwischen eins und zwei Wochen) unter medizinischer Aufsicht als Infusion verabreicht.
Da Eculizumab einen Teil des Immunsystems blockiert, kann sich das Risiko für gewisse Infektionen im Verlaufe der Langzeittherapie mit dem monoklonalen Antikörper erhöhen. Vor einer regelmäßigen Einnahme von Soliris wird daher in Absprache mit dem behandlenden Arzt eine Impfung erforderlich sein. (s. englischsprachige Informationen über Soliris )
Transfusionen
Transfusionen werden ergänzend verabreicht, wenn der Hämoglobinspiegel durch eine hämolytische Krise abrupt sinkt oder dauerhaft Hämolyse auf gleichleibendem Niveau stattfindet. Einige Patienten verspüren gegenüber Transfusionen eine emotionale Barriere. Jedoch hält sich das tatsächliche Risiko einer Blutkonserve für den Empfänger in Grenzen und keinesfalls wird mit der Akzeptanz einer Transfusion ein neuer Krankheitsabschnitt eingeleitet. Es sei jedoch an dieser Stelle vermerkt, dass sich bei einer dauerhaften Anwendung von Transfusionen die Erfolgschancen einer Transplantation verschlechtern.
Antikoagulation - Gerinnungsmittel (Thrombosen)
Wie unter PNH - Symptome ausgeführt, steigt mit PNH das Risiko für Thrombosen. Grundsätzlich wird von dem Einsatz von Blutverdünnern (Antikoagulans) solange abgeraten, bis das erste Blutgerinnsel aufgetreten ist, da viele Patienten von dieser Komplikation generell verschont bleiben. Andererseits sei darauf hingewiesen, dass eine Thrombose eine möglicherweise schwerwiegende Komplikation ist, die nach dem ersten Mal umso wahrscheinlicher erneut auftritt. Blutgerinnsel werden behandelt, indem Blutverdünner (wie z.B. Heparin) als Infusion intravenös verabreicht werden; nachdem akute Symptome verschwunden sind, kommen Blutverdünner wie Coumadin in oraler Darreichungsform dauerhaft zum Einsatz.
Gelegentlich werden Blutgerinnsel durch gleiche Wirkstoffe wie bei Herzinfarkten aufgelöst, jedoch hängt die Entscheidung einer solchen Therapie von mehreren Faktoren ab wie der Position des Blutgerinnsels oder der Dauer zwischen Diagnose und Behandlung. Während in einigen Fälle versucht wird, das Gerinnsel aufzulösen, erscheint es in anderen aufgrund der damit verbundenen Blutungsrisiken als zu riskant.
Generell ist für jeden Einzelfall auch bei Langzeittherapien abzuwägen, ob Blutverdünner wie Coumadin zum Einsatz kommen, insbesondere unter dem Umstand einer Thrombopenie, d.h. verringerten Blutplättchenzahl, da einer besseren Thromboseprävention ein erhöhtes Blutungsrisiko gegenübersteht. Dabei ist ferner zu berücksichtigen, dass in Studien gezeigt werden konnte, dass bei ca. einem Drittel der Patienten mit PNH sich Thrombosen ereigneten, beim Rest nicht. Auch wurden bislang keine zwingenden Studien über die Wirkung von Coumadin bei PNH-Patienten durchgeführt.
Als Fazit bietet sich eine Langzeittherapie mit Blutverdünnern v.a. bei PNH-Patienten mit einer ausreichenden Thrombozytenzahl an, die schon einmal einen Thrombose-Vorfall hatten und keine der Gegenindikationen aufweisen.